Warum wir ideologische Gegner als bösartig wahrnehmen


Im linken wie im rechten Lager erklärt man sich die abweichenden Standpunkte der Gegner häufig damit, dass diese von zerstörerischen Absichten getrieben seien. Damit kontrastieren in der Wahrnehmung die jeweils eigenen Absichten, die man für gut, produktiv und menschenfreundlich hält. Der Vorwurf an die Gegenseite, von Bosheit getrieben zu sein und zerstören zu wollen, kommt in vielen Formen vor. Eine der häufigsten ist heute die Anklage des Hasses. Weitere Beispiele sind »Hetze«, »Faschisten«, »menschenverachtend«, »Demokratiefeinde«, »Verfassungsfeinde« und »die Masken fallen«. Sie alle wollen darauf hinaus, dass der Gegner insgeheim bösartige, zerstörerische Absichten verfolge. 

In diesem Artikel argumentiere ich auf Basis des eingangs zitierten Buches von Baumeister, dass die Wahrnehmung des politischen Gegners als böse ein psychologischer Reflex ist, der das Denken verzerrt, die Kommunikation behindert und zur Eskalation der gegenseitigen Feindseligkeiten beiträgt. Indem wir uns diese Mechanismen bewusst machen, können wir ihnen besser widerstehen.